Upcycling-Workshop mit Gary Sanders (2017): Plastik und Glas wird zu einem Kunstobjekt Copyright (c) Andreas Filzmair

… in die weite Welt

Wien ist bekanntlich anders, zumindest aus der Sicht mancher Wiener. Da gibt es die Wiener Innenstadt, dann Bezirke innerhalb des Gürtels und schließlich die Bezirke an der Peripherie. In der Wahrnehmung mancher Wiener hört die Stadt am Gürtel auf zu existieren. Das führt mitunter dazu, dass ein beträchtlicher Teil des kulturellen und intellektuellen Lebens sich auf städtische Kernbereiche konzentriert und das „periphere Grätzl“ zum Niemandsland degradiert wird. Zahlreiche städtebauliche Projekte an der Peripherie zeigen, dass diese Sichtweise kaum zu rechtfertigen ist.

So hat sich seit 2015 der FZA Kulturverein das Ziel gesetzt, Menschen miteinander zu verbinden, die das kulturelle Leben im Grätzl am Stadtrand bereichern wollen. Dazu gehören zum Beispiel zahlreiche Aktivitäten des Vereins in der ehemaligen Sargerzeugung Atzgersdorf, F23, einer seit mehreren Jahren stillgelegten Fabrik. 2017 fand dort am Hof des Fabriksgeländes  ein vom FZA Verein organisiertes Urban Gardening-Projekt statt. Ebenfalls 2017 veranstaltete der FZA Verein unter dem Motto „PopUpCycling“ den ersten Grätzelherbst in Wien-Atzgersdorf – ein kulturelles Zwischennutzungsprojekt zusammen mit Upcycling-Ausstellern in einem leerstehenden Geschäftslokal, inmitten eines Neubauviertels. In den Jahren 2018 und 2019 kam es zur Erweiterung des Konzepts auf Kunst und Handwerk – „Art&Craft“. In diesen beiden Jahren wurde der Grätzlherbst zusammen mit Betrieben vor Ort gestaltet. Am Eröffnungstag gab es dazu bereits kleine Aussteller-Stände, wo sich die lokalen Betriebe präsentieren konnten.

2018 wurde der FZA-Schwesterverein „Introvis“ gegründet, um Ideen und Konzepte zu Nachhaltigkeit auszubauen. Anfang 2020 gab es über den Introvis-Verein erste Kontakte zur Cradle to Cradle-NGO in Berlin (C2C); im Frühjahr entstand schließlich eine Regionalgruppe für Österreich, um das Nachhaltigkeitskonzept von C2C auch in Österreich bekannt(er) zu machen. Mitte 2020 wurde dann eine Kooperation bei der 1. Wiener MehrWeg Messe beschlossen – C2C wird bei der MehrWeg Messe mit zwei Workshops sowie einem Aussteller-Stand vertreten sein. Das C2C- Konzept wird seit Jahren in zahlreichen internationalen Projekten erfolgreich umgesetzt; es gibt eine eigene Zertifizierung mit Gütesiegel.

Wien ist tatsächlich anders, auch im Vergleich mit anderen Großstädten. Hier wird die Lebensqualität groß geschrieben und auch international anerkannt. Dazu gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen. Die Stadt tut vieles für seine BewohnerInnen, um immer wieder neue Umwelt-Standards zu setzen.  Dennoch ergeben sich noch viele ungenutzte Chancen, Nachhaltigkeit stärker im Grätzl zu verankern. Dazu gehört nicht zuletzt ein verantwortungsvoller Umgang mit Verpackungen, insbesondere mit Kunststoff wie z. B. in Form von PET-Flaschen. Hier lässt die Mehrweg-Quote eindeutig zu wünschen übrig. Darüber wird am 27. und 28. November 2020 bei der 1. Wiener MehrWeg-Messe zu diskutieren sein.

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