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Wie könnte ein Einweg-Pfandsystem in Österreich nach Cradle to Cradle aussehen?

Jedes Jahr werden in Österreich 1,6 Milliarden Plastikflaschen und 800 Millionen Dosen auf den Markt gebracht. Viele dieser Produkte werden nur einmal und kurz verwendet und verursachen so Unmengen an Einweg-Müll und führen zu Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung.

Auf PET, Aluminium und Glas wird aktuell in Österreich kein Pfand eingehoben, ausschließlich für Mehrwegflaschen wie Mineralwasser gibt es ein Pfandsystem. Dies soll sich in naher Zukunft ändern. Kann ein Pfandsystem nach Cradle to Cradle funktionieren?

Eine von der EU erlassene Richtlinie verlangte, dass alle EU-Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2029 eine getrennte Sammelquote von 90 % erreichen. Aktuell beträgt die Sammelquote in Österreich rund 70 % und liegt damit weit von der Vorgabe entfernt. Eine Studie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMNT) ergab, dass ein Pfandsystem für Einweg-Getränkeverpackungen die günstigste und effizienteste Lösung ist. Unter 1.000 befragten Personen wünschen sich 86 %, dass mehr gegen die Plastikverschmutzung unternommen wird und 83 % befürworten ein Pfandsystem. Das sind die Ergebnisse einer von Global2000 beauftragten Studie. Wie könnte ein solches Pfandsystem in Österreich nach C2C umgesetzt werden?

Pfandsystem nach Cradle to Cradle

Nach Cradle to Cradle (C2C) ist Abfall immer Nährstoff für etwas Neues und Materialien zirkulieren in ständigen Kreisläufen. Dies bedeutet, dass Plastik entweder ein abbaubares Produkt wird oder als Dienstleitung gesehen wird. Das Pfandsystem würde unter zweiteres fallen.

Der erste Schritt für die Umsetzung eines C2C-Pfandsystems ist, dass alle giftigen Chemikalien, wie Weichmacher, aus der Produktion entfernt werden und stattdessen ein gesunder Monokunststoff zum Einsatz kommt. Die Verpackungen müssen sortenrein sein. Bei vielen Verpackungen ist aufgrund der vielen verschiedenen Chemikalien Recycling schlichtweg nicht möglich. Bei richtiger Herstellung können Kunststoffe oft wiederverwendet werden, PET zum Beispiel bis zu 30 Mal. Falls Recycling nicht mehr möglich ist, muss das Material biologisch abbaubar sein oder in einem anderen Bereich wiederverwendet werden. Das Problem sind laut C2C-Vordenker, Dr. Michael Braungart, oftmals die Hersteller*innen. Wichtig ist auch, dass auf den Verpackungen angegeben werden muss, aus welchen Komponenten diese bestehen und die Hersteller*innen stärker in die Verantwortung gezogen werden, was die Entsorgung betrifft. Ein Pfandsystem wäre also unter Berücksichtigung genannter Kriterien nach Cradle to Cradle umsetzbar.

Carina Weinstabl (C2C Regionalgruppe Wien)

Quellen:

https://orf.at/stories/3180362/

https://www.global2000.at/pfandsystem-oesterreich

https://www.weiterdenken.de/de/2019/07/22/michael-braungart-das-problem-sind-die-hersteller

https://www.die-debatte.org/plastikmuell-interview-braungart

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